Schwanger reiten? Erfahrungsbericht von Rike Engels
- TGT® Redaktion

- 24. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Juni
TGT® Trainer:innen berichten

In der Rubrik TGT® Trainer*innen berichten aus der Praxis geben Trainerinnen und -Trainer persönliche Einblicke in ihre Arbeit und teilen Erfahrungen rund um den Alltag mit Pferde, Schülern und dem eigenen Leben mit Pferden. News vom Hof, Neuerungen, Weiterbildungen, Hürden in der Ausbildung der Pferde oder der eigenen reiterlichen Entwickllung, die zu überwinden sind oder inspiriende Entwicklungen werden hier thematisiert.
Die Texte sind keine How-to-Anleitungen, sondern reine Erfahrungsberichte. Sie sollen nicht dazu dienen, Dinge nachzumachen, zu bewerten oder als richtig oder falsch einzuordnen. Vielmehr möchten sie Einblick geben und persönliche Perspektiven sichtbar machen.
Reiten in der Schwangerschaft – ein kleiner Erfahrungsbericht von Rike
Als ich Rikas Aufruf zu einem Erfahrungsbericht las, wurde mir direkt klar, dass ich gerne von meinen Erfahrungen mit Reiten in der Schwangerschaft berichten möchte.
Ich habe im August 2025 meine wundervolle Tochter entbunden und bin tatsächlich bis vier Tage vor der Geburt noch geritten. Mir ist ganz wichtig, dass diese Zahl nicht zum Angeben oder Vergleichen anregen soll, sondern einfach meiner Erfahrung entspricht. Der letzte Ausritt mit meinem Blue war seeeeehr gemächlich, und für mich war damals klar, dass es der letzte sein würde, da ich langsam nicht mehr gut genug auf dem Pferd sitzen konnte. Ich bin bis zur 33. Schwangerschaftswoche geritten.
In der 26. Woche habe ich mich noch deutlich geschmeidiger gefühlt und bin sogar meine jährliche Trainerweiterbildung auf dem Jasperhof geritten. Ein zweitägiges Seminar mit vier Einheiten bei durchgehend über 30 Grad war schon sehr anstrengend, aber ich hatte das große Glück, meine Schwester dabei zu haben, die mit ihrem Jungpferd ebenfalls teilgenommen hat. Wir haben es ruhig angehen lassen.
Rika leitete mich wunderbar durch die Grundlagenübungen der TGT®-Methode, sodass wir mit Tempounterschieden, Seitengängen und Übergängen nicht nur meinen Blue in der Losgelassenheit förderten, sondern auch meinen Beckenboden fit hielten. Immer nur so weit, wie ich mich wohlgefühlt habe. Aber auch Rika hat sich darüber gefreut, wie toll die Schwangerschaftshormone als eine Art Weichmacher in meinem Körper die losgelassene Beweglichkeit meines Pferdes förderten. Wohlgemerkt: Dies ist individuell sicher von Frau zu Frau unterschiedlich.
Ein Glück legen Rika und ich beide sehr viel Wert auf erholsame Stehpausen für Pferd und Reiter, die dieses Mal einfach ein bisschen länger ausfielen. 😉 Die Atmung war nämlich durch meine Passagierin an Bord doch etwas eingeschränkter.

In meiner Arbeit als Trainerin zu Hause bin ich tatsächlich weiterhin auch andere Pferde geritten, habe dann aber aufgrund meines zunehmenden Gewichts und der mangelnden Atemluft kürzer draufgesessen – maximal 20 Minuten. Ehrlicherweise ist mir dabei mal wieder klar geworden, wie wenige Wiederholungen Pferde eigentlich brauchen und wie schlau sie sind.
Mit der Kürze der Einheit ist man als Reiter auch unfassbar schnell zufrieden und lobt dadurch noch einmal effizienter – zumindest meiner nun gemachten Erfahrung nach.
Bodenarbeit klappte bei mir nur bedingt
Die dressurmäßige Arbeit an der Hand war für mich leider ab der 12. Woche nicht mehr möglich, da ich so starke Symphysenschmerzen hatte, dass ich keine größeren Schritte machen konnte. Dafür haben die Leitseilarbeit und die Doppellonge sehr gut geklappt, sodass ich mir dadurch zu helfen wusste. Von anderen Schwangeren habe ich auch gehört, dass sie sich nicht so sicher fühlen am Boden - das ist aber sicher abhängig von der Kompetenz, dem jeweiligen Pferd und der Art der Bodenschule, die man erlernt hat.
Mehr Pausen beim Unterrichten
Bei den Unterrichtseinheiten meiner Reitschüler habe ich mich dann doch öfter mal hingesetzt als sonst. Aber durch die Schwangerschaft hatte ich endlich mal wieder richtig viel Zeit, sodass die Reitschüler auch von sehr konstantem Unterricht profitieren konnten und ich mir sicher war, dass in meinem Mutterschutz alle ohne mich klarkommen.

Ich war nicht sicher, ob ich weiter reiten werde
Ich persönlich habe es ja nun selbst erlebt, und die Unsicherheit, die mit einem kleinen Wesen „an Bord“ einhergeht, ist nicht zu vernachlässigen. Daher kann ich es sehr gut nachvollziehen, wenn man sich entscheidet, nicht mehr zu reiten.
Ehrlich gesagt hatte ich vor meinem letzten Ritt allein aufgrund des heißen Sommers vorher schon zwei Wochen Reitpause gehabt und hätte auch nicht gedacht, dass ich doch noch einmal reite. Wenn man sich aber jeden Tag auf sein Bauchgefühl verlässt und sich selbst genug Freiheit gibt, seine Entscheidungen jeden Tag aufs Neue zu hinterfragen, ist das alles gar nicht so endgültig. Ich hatte nämlich auch ziemlich Respekt davor, was passiert, wenn ich nicht mehr reiten kann – allein mental.
War aber alles gar nicht so schlimm. 😊
TGT® Trainerin Rike Engels








Kommentare