Fohlen positiv prägen – *Video*

Peter Kreinberg gibt Starthilfe: von der Box auf die Weide.



Uelzener Sicherheits-Tipp | Blog-Beitrag von Peter Kreinberg

Positive Erfahrungen für den kleinen Hengst

Was gibt es Niedlicheres als Tierbabys – das gilt auch für Pferdekinder. Doch Fohlen sind keine Schoßhündchen, eben geboren sind sie schon fluchtbereit, manchmal ängstlich oder schreckhaft und alsbald stärker als ein Mensch. Als Fluchttiere sind sie aber auch schon von den ersten Lebensstunden an lernfähig.


Gute und erfahrene Mutterstuten stupsen die Kleinen deshalb schon sehr früh mit der Nase, um sie zu dirigieren. Im Leben eines Fohlens sind die ersten Lebenstage deshalb auch eine wichtige Prägephase, in der sie lebenslang gefestigte Verhaltensweisen erwerben.


Der Start für eine vertrauensvolle Bindung zum Menschen beginnt bei den Kleinen deshalb am besten so früh wie möglich, um nichts dem Zufall zu überlassen.


Auch wenn Fohlen vielleicht weniger „Knuddel-Faktor“ haben als im Körbchen kuschelnde Welpen, so ist der Grund für eine solide Ausbildung genauso wichtig. Erwarten wir doch von diesem „Haustier“, dass es uns Zweibeinern vertraut, sich von uns bedingungslos leiten und später sogar reiten lassen soll. Das bedeutet, dass all diese Verhaltensweisen erlernt werden müssen.

Für Peter Kreinberg, der über 40 Jahren Fohlen am Gestüt betreute, und Jungpferde und Reitpferde ausbildet, ist zu Beginn eines besonders wichtig: „Das Fohlen soll eine Bindung zu mir aufbauen, von Pferd zu Mensch und nicht umgekehrt. Es soll vertrauen, und Verständnis entwickeln. Scheu geboren, werden Fohlen schon in wenigen Wochen an Masse, Größe und Selbstbewusstsein zugenommen haben. Gerade deshalb ist eine Bindung im ‚Dialog‘ mit dem kleinen Wesen zu Beginn besonders wichtig. Ich mache mir dabei ihr angeborenes Lernverhalten und seine Neugier zunutze.“

Kleine Einblicke in die ersten Tage eines kleinen Quarter Horse Hengstes

Er wurde in einer geräumigen Abfohlbox geboren. Peter Kreinberg gibt hier Nachbarschaftshilfe und vermittelt dem kleinen Braunen erste wichtige Verhaltensgrundlagen und bereitet ihn auf den ersten Fußweg zur Weide vor.


„Gerade in den ersten Tagen und Wochen kann man Fohlen behutsam und mit viel Gefühl auf das Leben unter Menschen prägen. Es kann lernen, ein Halfter zu tragen, sich berühren zu lassen, einem leichten Druck zu weichen oder einer Energie zu folgen. Es trifft bereits Entscheidungen und kann zwischen „angenehmen“ und „unangenehmen“ Einflüssen wählen. Hier ist also die mentale Schulung als ein optimaler Weg zur Verständigung mit dem Pferd hilfreich“, erklärt Peter Kreinberg.



„Mein Ansinnen bei diesen Übungen war es getreu meinem Motto: ‚Do it with a Gentle Touch‘, dem Fohlen schon in wenigen Einheiten so viel Positives für sein Leben unter Menschen mit all den Herausforderungen mitzugeben und seiner Besitzerin zu helfen, frühzeitig mit ihm sicher und kontrolliert durch das Dorf zur Koppel zu gehen.


Das Video ist nur ein kleiner Handy-Zusammenschnitt und kein umfangreiches Lehr-Video.

Daher sind viele Aspekte nicht erwähnt und ein Nachahmen sollte nur von Menschen geschehen, die sich mit Fohlen auskennen und auf dem Gebiet versiert sind.


Fohlenaufzucht stellt Stutenbesitzer*innen vor vielfältige Aufgaben. Ob in der Box geboren oder auf der Koppel – zur Aufzucht gehört viel Bewegung auf der Weide und andere Pferde. Optimal ist es, wenn die Fohlen nach dem Absetzten auf eine Jungpferde-Weide kommen können. Dieser kleine Kerl wird die Möglichkeit dazu erhalten.



Fohlen sollten fachgerechten betreut und artgerecht aufwachsen.


Du bist Züchter*in oder per "Zufall" Besitzer*in einer tragenden Stute geworden? Diese Übersicht gibt eine kleine Orientierung, worauf du achten solltest, wenn du das Fohlen in den ersten Tagen berührst und handhabst.

  • Geh in die Knie und mache dich etwas kleiner, wenn das Fohlen sehr scheu ist. Warte bis es zu dir kommt und widerstehe dem Drang zu ihm hinzugehen. Es soll dich erkunden. Fohlen sind neugierig.

  • Der Untergrund in einer Abfohlbox sollte rutschfest sein. In der Abfohlbox in dem Video liegen Matten unter den Spänen.

  • Bleibe immer im Dialog mit dem Fohlen und übe nur wenige Minuten, dem Alter entsprechend.

  • Ist deine Stute nicht so ruhig und souverän wie diese gut vorbereitete Mutterstute im Video, kann dein Helfer sie auch am Halfter halten. Ist das Fohlen noch sehr jung, soll es immer zur wiehernden Mama dürfen, versuche nicht, es daran zu hindern.

  • Übe das Führen in der Box und im Hof, ehe du den Weg zur Weide antrittst.

  • Nicht einfach vorne am Halfter Druck aufbauen – Fohlen sind sehr sensibel und können sich dabei schnell nach hinten überschlagen.

  • Sollte der erste Weg über Asphalt sein, das Fohlen vorher führfähig machen. Man kann Fohlen einfach frei mitlaufen lassen; dies birgt aber unkalkulierbare Risiken und Gefahren, wenn zum Beispiel der Asphalt nass ist und das Fohlen springt (es kann leicht stürzen) oder ein Auto oder Traktor, welche den Asphaltweg mitbenutzt und zum falschen Moment um die Ecke kommt und vieles mehr.

  • Führen mit Führhilfe um die Hinterhand herum sichert das Fohlen. Bringe dem kleinen Geschöpf das Führen mithilfe einer Führhilfe bei und führe es damit neben der Mutter zur Weide. Vorteil: es ist nach wenigen Tagen und Wochen für das Fohlen selbstverständlich, ruhig bis zur Weide zu gehen, vor dem Tor stehenzubleiben und ruhig hindurchzugehen. Es ist deshalb in mehrfacher Hinsicht sinnvoll, die erste wichtige Prägephase zu nutzen – eine Win-win-Situation für Pferd und Mensch.


Mache dir bewusst, wie wichtig es für das restliche Leben eines Pferdes ist, welche Eindrücke und Erfahrungen du ihm in den ersten Wochen vermittelst.


In unserem Video-Clip zeigt sich auch, wie stark man von einem guten Handling, einer guten Ausbildung profitiert – denn die Mutterstute ist gelassen, souverän und kontrolliert im Umgang. Wenn Pferde verstehen, können sie vertrauen.


Wenn sie vertrauen, können sie Zufriedenheit, Lockerheit und Selbstsicherheit entwickeln.



Danke an Theresa und Lukas und weiterhin viel Freude mit der Aufzucht!



 

© Text, Video & Fotos: The Gentle Touch GmbH | RK