Tipp: Gesunder Start in die Weidesaison

Uelzener-Sicherheits-Tipp von Peter Kreinberg


Der Winter ist endlich überstanden, die Sonne wärmt Herz und Seele von Pferd und Mensch. Kein Wunder, denn bei diesem Wetter macht es einfach nur Spaß, draußen in der Natur zu sein – und die Pferde dürfen endlich wieder grüne Gräser naschen. Verständlich, dass es manch einem Zwei- oder Vierbeiner dann nicht schnell genug gehen kann. Damit es bei deinem Pferd aber nicht zu schweren gesundheitlichen Problemen wie Koliken oder Hufrehe kommen kann, möchte ich dir einige Tipps zum sicheren Anweiden geben!


Adäquates Anweiden hängt zum einen von deinem Zeitmanagement ab, aber natürlich auch von der Hofstruktur, wenn dein Pferd eingestallt ist. Hast du die Pferde am Haus und kannst dir alles so einteilen wie du möchtest, dann ist lediglich der genaue Zeitplan entscheidend, wie dein Pferd an das frische Grün gewöhnt wird.


Ist dein Pferd aber eingestallt, so solltest du dich über den Ablauf des Anweidens informieren. Umsichtige Hofbetreiberinnen und -betreiber haben meist ein solides Anweide-Programm, bei dem die Pferdegruppen ab halbstündig bis vollstündig auf die Weide gelassen werden. Andere Höfe sind da wesentlich „rustikaler“, was zulasten deines Pferdes gehen könnte. Daher ist mein Rat: kümmere dich selbst und kläre mit der/m Hofbesitzer*in ab, wie das Anweiden geplant ist, und weide dein Pferd vorher an der Hand an.



Warum ist ein schrittweises Anweiden so wichtig?

Die Antwort findet sich im Darmtrakt von Pferden. Denn dieser ist ein sehr sensibles System, dem man keine rasche Futterumstellung zumuten sollte. In diesem Fall besteht die Futterumstellung von Heu auf Gras. Wichtig: die Heufütterung sollte in der Anweidezeit nicht einfach aufgegeben werden, sondern als gesunde Raufutterzugabe dem Pferd weiter zur Verfügung stehen.



Pferdeleuten ist dies grundsätzlich bekannt, auch dass man langsam anweidet – dennoch gibt es jedes Frühjahr viele Pferde, die an Rehe oder Kolik erkranken. Grund dafür: die Darmflora kann sich nur langsam auf das frische Grünfutter umstellen, der teils hohe Fructangehalt im Gras ist dafür mitverantwortlich. Auch wir zuhause in der Rhön, in der unsere Pferde im Winter bei Raufutter im Offenstall stehen, weiden unsere Pferde jedes Frühjahr in kleinen Zeitabschnitten an.



Anweiden nach Plan ist sicher


Um Pferde richtig anzuweiden braucht es vor allem eines: Zeit. Der Prozess kann sich über mehrere Wochen hinziehen, besonders bei Pferden mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt oder Vorerkrankungen. Erst danach können sie wie gewohnt den ganzen Tag Zeit auf der Wiese verbringen.



Anweiden an der Hand


Bevor die Pferde in der ersten „Angras-Phase“ Zugang zu frischem Gras bekommen, sollten sie ihre Raufutterportion am Morgen gefressen haben. Einige Pferde sind regelrecht „gierig“ auf das frische Grün und hier gilt es zu vermeiden, dass sie mit leerem Magen zu viel Gras auf einmal fressen. Suche dir eine Stelle, an der frisches Gras sprießt und Weide dein Pferd an der Hand an, dies ist meistens in Stallnähe machbar. Achte darauf, dass du nicht am Straßenrand grast, denn die Abgase der Autos hinterlassen hier ihre Schadstoffe auf den Grashalmen. Nutze ein Führseil, das lang genug ist – so bist du auf der sicheren Seite, sollte dein Pferd mal einen „Satz“ machen. Gehe kontrolliert grasen, sodass dein Pferd nicht am Halfter zieht. Weise ihm seine Grasstelle zu und lass es an deiner Wunschstelle, grasen.


Du beginnst am besten mit 5 bis 10 Minuten grasen lassen. Nach dem dritten oder vierten Tag kannst du die Zeiträume täglich um 5 bis 10 Minuten verlängern. So erreichst du nach der ersten Woche eine Grasezeit von 45 bis 60 Minuten.



Anweiden auf kleiner Koppel



Hat sich dein Pferd an der Hand an etwa eine Stunde Gras pro Tag gewöhnt, kannst du es etwa ab dem neunten Tag zweimal täglich auf die Weide lassen: zum Beispiel eine Stunde am Morgen und eine Stunde am Abend. Vielleicht hast du die Pferde am Haus oder deine Hofbesitzer*innen bieten kleine Weidestücke stundenweise zum Anweiden an.


In der dritten und vierten Woche erweiterst du die Weidezeiten dann weiter schrittweise bis auf vier bis fünf Stunden täglich. Danach ist dein Pferd bereit, den ganzen Tag auf der Weide zu verbringen und du hast das Anweiden für dein Pferd nach fünf bis sechs Wochen erfolgreich abgeschlossen. Hinweis: den ganzen Tag heißt in diesem Fall nicht 24 Stunden.



Mit diesem Plan bist du auch mit einem Pferd mit einem sensiblen Darmtrakt oder mit einem neuen Pferd, dass du noch nicht kennst, auf der sicheren Seite. Auch wenn du nicht immer alle Möglichkeiten an dem Reitbetrieb zur Verfügung hast, die Gesundheit des Pferdes liegt in deiner Hand und vielleicht kommt die investierte Zeit des Grasens an der Hand nicht nur der Gesundheit deines Pferdes zugute, sondern fördert auch eure Zweierbeziehung.


Während dieser Anweidezeit sollte dein Pferd nach wie vor ausreichend Zugriff auf trockenes Raufutter haben. Übrigens: Musst du das Anweiden für mehrere Tage unterbrechen, solltest du unbedingt wieder vorsichtig damit beginnen. Die benötigten Darm-Bakterien bilden sich nämlich nur, wenn auch wirklich täglich frisches Gras gefüttert wird.