Zäumungs-Kombination: Bosal und Wassertrense
- TGT® Redaktion

- vor 4 Tagen
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🍀Uelzener Tipp von Peter Kreinberg
🔺Mit welcher Zäumung geht mein Pferd am besten, diese Frage hat sich wohl jede Reiterin oder jeder Reiter schon einmal gestellt.

Peter Kreinberg ist für sein reitweisenübergreifendes Ausbildungskonzept bekannt. In seinen Kursen und Seminaren betreut er jedes Reiter-Pferd-Paar individuell. Entsprechend der unterschiedlichen Reitweisen reiten seine Schüler auch mit den verschiedensten Zäumungen oder Ausrüstungsgegenständen, und so kommt es im Präsenzunterricht oder auch im Online-Live-Coaching immer wieder zu dieser Fragestellung.

Bei dieser Vielfalt an Möglichkeiten und Variationen im Bereich der Zäumungen ist es ihm wichtig, seinen Schülern und Schülerinnen die jeweils verwendete Zäumung in ihrer funktionalen Wirkung theoretisch zu erläutern und vor allem auch deren korrekte praktische Anwendung zu vermitteln.

Ganz gleich, welche Zäumung genutzt wird, die folgenden 10 grundlegenden Regeln sollten seiner Meinung nach immer beachtet werden:
Eine Zäumung und ihre Wirkung sollte immer im Zusammenhang mit den anderen Reiterhilfen, besonders den Körperhilfen wie Sitz, Haltung und Schenkeleinwirkungen, verstanden und eingesetzt werden.
Jede Zäumung sollte der Verständigung zwischen Reiter und Pferd dienen. Sie sollte in diesem Sinne durch feinmotorische Anwendung ein „Hilfsmittel“ sein, um dem Pferd „Hilfestellung“ und „Führung“ anzubieten. Keinesfalls sollte sie als mechanisches Zwangsmittel missbraucht werden.
Unterschiedliche Zäumungen haben unterschiedliche Wirkungsfunktionen. Eine gefühlvolle, funktional „richtige“ Anwendung einer Zäumung als Verständigungsmittel muss vom reitenden Menschen zunächst erlernt werden.
Auch das Pferd muss zunächst lernen, sich an den Kontakt einer Zäumung zu gewöhnen, bevor es dann deren Wirkung verstehen und akzeptieren lernt.
Jede Zäumung kann ein Pferd bei ungeschickter, unsachgemäßer, grober, nachlässiger oder offensiver Anwendung irritieren, stören, behindern oder ihm sogar Schmerzen zufügen. Zwischen „milden“ und „scharfen“ Zäumungen pauschal zu unterscheiden, ist deshalb wenig sinnvoll.
Hat ein Pferd schlechte Erfahrungen mit einer Zäumung gemacht, so können Meide- oder Abwehrreaktionen mit dem Kopf zur Gewohnheit werden – auch wenn die Zäumung danach korrekt eingesetzt wird.
Auch mentale oder körperliche Ausbildungsdefizite zeigen sich häufig in der Reaktion auf die Zügelhilfen – ein Zäumungswechsel ändert daran dann auch nichts.
Manche Pferde lassen sich aber unabhängig vom Ausbildungsstand mit einer Zäumung besser und zufriedener reiten als mit einer anderen – in einem solchen Fall kann es sinnvoll sein, einen entsprechenden Zäumungswechsel anzubieten. Das gilt besonders, wenn es sich um Zäumungen handelt, die je nach Zügeleinwirkung an unterschiedlichen Auflageflächen passiven oder aktiven Kontakt machen oder deren Druckwirkung sich deutlich unterscheidet.
In ihrer Funktion und Wirkung unterscheiden sich Zäumungsgruppen untereinander oft deutlich, je nachdem, ob sie für die allgemeine Grundausbildung, die fortgeschrittene Schulung oder für eine Verwendungsweise des Pferdes am Ende der Ausbildung genutzt werden sollen. Ein Pferd sollte deshalb immer im Rahmen seiner Ausbildung mit den jeweils zweckmäßigen Zäumungen geritten werden.
Im Übergang zwischen verschiedenen Ausbildungsstufen oder im Korrekturfall kann es im Einzelfall sinnvoll sein, zwei Zäumungssysteme miteinander zu kombinieren.

Gebisslose Zäumung – Jungpferdeausbildung
Im Verlauf der Ausbildung oder in einer Ausbildungsphase kann es also manchmal sinnvoll sein, einen Zäumungswechsel oder die Kombination zweier Zäumungssysteme zu wählen.
Solch eine Maßnahme ist aber nur sinnvoll, wenn Ausbilder oder Reitende die jeweilige Zäumung korrekt einsetzen können und wenn dem Pferd eine Phase der Eingewöhnung ermöglicht wird.
Peter Kreinberg schult seine Pferde in der Grundausbildung stets gebisslos und in der Wassertrense. Zeitweilig kombiniert er auch beide Zäumungen miteinander, um dem Pferd wahlweise nach Bedarf jeweils mit der einen oder anderen bessere Hilfestellung oder Unterstützung anzubieten.

Die Kombination von Wassertrense und Bosal nutzt er gern bei Jungpferden in den ersten beiden Ausbildungsjahren. Beide Zäumungen setzt er nach dem gleichen Wirkungsprinzip ein:
🔹 Zügelwirkung: loser Zügel, passiver Kontakt der Zäumung an den Auflageflächen Bedeutung: Tempo, Gangart, Haltung, Linienführung beibehalten bis zum nächsten Signal. Lernziel: Das Pferd findet unter dem Reiter seine Losgelassenheit, Balance, Rhythmus und Richtung und wird zur Selbsttätigkeit angeregt.
🔹 Zügeleinwirkung: leicht angenommener Zügel – taktile Kontaktaufnahme an bestimmten Auflageflächen Bedeutung: Achtung, Aufmerksamkeit – Vorbereitung Lernziel: Das Pferd bereitet sich entspannt in Balance und Tempo auf die Ausführung eines Manövers oder einer Bewegungsänderung vor.
🔹 Zügeleinwirkung: aktive Zügelimpulse mit dosierter Impulswirkung an bestimmten Auflageflächen Bedeutung: Signalverknüpfung der Zäumungssignale für Balance-, Tempo-, Richtungs- und Haltungsänderung Lernziel: Das Pferd lernt die Signalbedeutung und deren entsprechende Umsetzung in die gewünschten Bewegungsabläufe oder später Lektionen an immer feineren Signalen.
🔹 Zügelwirkung: nachgebend loser Zügel, passiver Kontakt der Zäumung an den Auflageflächen Bedeutung: Manöver beendet – Tempo, Gangart, Haltung, Linienführung beibehalten bis zum nächsten Signal Lernziel: Das Pferd bleibt im gewählten Bewegungsmuster und wird bis zum nächsten Signal zur Selbsttätigkeit angeregt.

Berührungsbereiche verbinden – positive Empfindung nutzen
Beide Zäumungen sind in Kombination mit den übrigen reiterlichen Hilfen für eine Rechts-/Links-, Vor-/Zurück-, Langsamer-/Schneller-, Höher-/Tiefer-Signalgebung geeignet.
Mit dem Bosal können die entsprechenden taktilen Kontaktsignale an die Kontaktflächen außen an der Pferdenase differenziert und wohldosiert übermittelt werden.
Mit der Wassertrense werden sie auf die Berührungsflächen von Zunge, Lefzen und Maulwinkeln übermittelt. Der Haut- und Tastsinn des Pferdes ist bei beiden Einwirkungsbereichen ähnlich ausgebildet.

Bei korrekter Zügelhandhabung ist es für das Pferd deshalb nicht verwirrend, sondern eventuell sogar hilfreich, diese beiden Berührungsbereiche zu kombinieren, da sie mit unterschiedlichen Hirnbereichen verbunden sind.
Pferde, die sich mit der Wirkung eines Mundstückes im Maul noch etwas schwer tun, können so sanft daran gewöhnt werden, ohne dass es negative Erfahrungen gibt.
Pferde, die an der Wassertrense unsensibel geworden sind oder sich Meide- oder Abwehrverhalten angewöhnt haben, können über die Nasenzäumung „neu“ die Bedeutung der Hilfen verstehen lernen und diese nach und nach positiv mit der Wassertrense verknüpfen.

Bei einem Pferd, das die Bedeutung der Hilfen verstehen gelernt hat und entsprechend zufrieden und losgelassen geht, ermöglichen es beide Zäumungen, mit einer gefühlvollen, leichten Verbindung (leichte Anlehnung) in Stellung und Biegung auch gymnastische Lektionen an feinen Hilfen zu reiten und so in der aufbauenden Trainingsarbeit entsprechende Hilfestellung und Unterstützung anzubieten.
Die sinnvolle Kombination von Zäumungen und ihre zweckmäßige Anwendung kann bei der Ausbildung oder Umbildung von Pferden zeitweilig sehr gute Dienste leisten und eine feine Hilfengebung in Harmonie mit dem Pferd ermöglichen.
Rika und Peter Kreinberg konnten in ihren Kursen vielen Reiterinnen und Reitern mit deren Pferden bei der Jungpferdeschulung oder bei der Nachschulung älterer Pferde helfen.
Da nicht jeder mit der kalifornischen Bosal-Hackamore vertraut ist, haben sie ihren Physio-Zaum entwickelt. Dieser ermöglicht vielfältige Kombinationen von Zäumungsvarianten, nicht nur beim Reiten, sondern auch bei der Leitseilarbeit oder der Arbeit an der Hand.

© Text, Fotos: Peter Kreinberg, kreinberg.info


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