Nickbewegung fühlen und zulassen
- TGT® Redaktion

- vor 6 Tagen
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– die Verbindung zum Pferderücken
Peter Kreinberg TGT® | Die Nickbewegung des Pferdes im Schritt – natürlich vorhanden, vom Reiter zu beachten und nicht zu stören.
Die Nickbewegung des Pferdehalses ist Teil des natürlichen Bewegungsprofils des Pferdes. Sie entsteht nicht erst durch den Reiter, sondern gehört zum physiologischen Bewegungsablauf, besonders deutlich erkennbar im Schritt.
Für den Reiter ist entscheidend, diese Bewegung überhaupt wahrzunehmen und sie in seinem Reiten zu berücksichtigen. Denn auch wenn die Nickbewegung aus dem Pferd selbst heraus entsteht, kann sie durch die Art des Reitens entweder zugelassen und begleitet oder behindert und gestört werden.
Dies gilt sowohl im Reiten in Anlehnung als auch im Reiten im Bosal, also in der kalifornischen Hackamore.
Die natürliche Bewegung im Schritt
Im Schritt beschreibt die Nase des Pferdes eine Achterbewegung.Diese Bewegung steht in engem Zusammenhang mit der gesamten Bewegungsorganisation des Pferdes.
Interessant ist dabei die Entsprechung im Reitersitz: Auch das Becken des Reiters führt im Sattel eine Achterbewegung aus. Diese soll nicht künstlich oder übertrieben sein, sondern natürlich und unverkrampft mitgehen.
Genau darum geht es: nicht um „mehr Bewegung machen“, sondern um das Zulassen natürlicher Bewegung. Erst wenn diese da ist, kann man Bewegung bewusst steuern.
Wovon die Sichtbarkeit der Nickbewegung abhängt
Wie deutlich sich die Nickbewegung zeigt, hängt von mehreren Faktoren ab.
Exterieur und Interieur, also auch Rückenlänge und Gangvermögen, beeinflussen die Nickbewegung. Auch beim Reiten wird diese beeinflusst: Je länger der gerittene Zügelrahmen ist, desto größer können sich diese Bewegungen im Hals darstellen.
Je lockerer der Pferderücken ist und je beweglicher und geschmeidiger der Reitersitz, desto deutlicher kann die Nickbewegung sichtbar werden. Je kürzer oder verhaltener das Pferd läuft, desto geringer fällt sie aus.
Sie ist somit im Schritt – sowohl am hingegebenen Zügel als auch am langen Zügel – ein wichtiges Indiz für einen unverkrampften, lockeren Pferderücken und für eine funktionierende Gesamtbewegung.
Mit zunehmender Versammlung oder bei kürzerem gerittenen Rahmen wird die Nickbewegung natürlicherweise kleiner. Das Pferd bewegt sich dann nicht mehr so linear nach vorne, sondern stärker in Richtung Aufrichtung und Tragen. Die Nickbewegung verschwindet deshalb nicht grundsätzlich, sie wird lediglich kleiner und feiner.
Und deshalb ist es gerade wichtig, dass dies im Schritt gefühlt wird und in den anspruchsvolleren Bewegungen diese Amplitude gefühlt und geführt kleiner wird.
Die Aufgabe des Reiters
Für den Reiter stellt sich im Schritt deshalb eine ganz praktische Frage:
• Bewegt sich dein Becken in seiner natürlichen Achterbewegung im Rhythmus des Pferdes mit?
Dabei ist ausdrücklich nicht gemeint, dass du dich „stark bewegen“ sollst.Es geht gerade nicht um künstlich gemachte oder übertriebene Bewegung, sondern um ein natürliches, unangestrengtes Mitschwingen.
• Begleiten deine Hände locker aus Schulterblatt und Ellbogen heraus die Bewegung des Pferdehalses? Wer ein Pferd in leichter Anlehnung reitet, muss die Nickbewegung des Halses in den Armen und Händen berücksichtigen können.
Und auch im Bosal ist das zu beachten.
• Wichtig: Das wechselseitige Vorgehen mit der Hand erlaubt dem Pferd eine kleine, aber fühlbare Dehnung auf der Halsseite, die sich etwas verlängert. Denn in der Nickbewegung pendeln Pferdenase und Hals ja von rechts nach links.
Schaffst du es, mit beiden Armen differenziert und unabhängig voneinander nach vorne mitzukommen, ohne deinen balancierten Sitz aufzugeben?
Praktische Überprüfung im Mittelzirkel
Eine gute Überprüfungsmöglichkeit bietet das Schrittreiten auf dem Mittelzirkel bei leichter Anlehnung. Peter Kreinberg zeigt in Reiten in Balance, worauf du achten kannst:
Dort kannst du für dich prüfen:
a) Habe ich die Nickbewegung überhaupt „auf dem Schirm“?
b) Fällt es mir leicht, rechts und links unabhängig voneinander mit den Armen nach vorne mitzukommen?
c) Bleibe ich dabei im Sitz weich genug, um die Bewegung über Gesäßmuskulatur und Sitzbeinhöcker mitzufühlen?
Gerade diese Verbindung aus Sitzgefühl und feiner Hand macht sichtbar, ob der Reiter Bewegung zulässt oder ob er sie ungewollt begrenzt.
Warum das so wichtig ist
Wenn der Reiter die natürliche Nickbewegung des Pferdes angemessen begleitet, kann das Pferd seinen Kopf-Hals-Bereich leichter und freier schwingen lassen.
Das unterstützt Losgelassenheit, Geschmeidigkeit und die Qualität der gesamten Schrittbewegung sowie der Rückenmuskulatur.
Wird diese Bewegung dagegen über Hand, Schulter, Ellbogen oder über einen ungeschmeidigen Sitz blockiert, verliert der Schritt an Natürlichkeit, Regelmässigkeit und Schwingung.
Zusammengefasst
Die Nickbewegung im Schritt ist keine vom Reiter „gemachte“ Bewegung – sie sollte weder behindert noch gestört werden.
Eine feine Reittechnik, ein gutes Gefühl für Sitz und Hilfen sowie ein präzises Timing – all das vermitteln Rika und Peter Kreinberg in ihren Seminaren.
👉 Du kannst dir die Inhalte aber auch zu Hause erarbeiten – mit dem Online-Kurs „Reiten in Balance“.


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