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Reiten in Stellung & Biegung – auf großen Zirkellinien

  • Autorenbild: TGT® Redaktion
    TGT® Redaktion
  • vor 2 Stunden
  • 7 Min. Lesezeit

Beginne mit der "Spurtreue"





🍀 Uelzener-Tipp von Peter Kreinberg



Im Dressursport gehört das korrekte Reiten in Stellung und Biegung zu den Grunderfordernissen der Pferdeausbildung und ist ein wichtiges Beurteilungskriterium in Dressurprüfungen.

Auch viele Freizeitreiter, die ihr Pferd gymnastisch fördern möchten, interessieren sich für diesen Aspekt der Pferdeausbildung.


Doch was diese beiden Begriffe genau bedeuten, wie sie erarbeitet werden und welche Lernschritte für das Pferd sinnvoll oder gar notwendig sind, darüber gibt es dann häufig sehr große unterschiedliche Meinungen. Wer sich an die praktische Umsetzung dieser Ausbildungselemente heranwagt, der sollte sich deshalb vorher etwas mit der Theorie vertraut machen.



Die FN definiert es wie folgt:

„Stellung heißt, dass das Pferd seinen Kopf im Gelenk zwischen Kopf und Hals, dem Genick, seitlich wendet und das Genick in der Ganasche seitlich biegt.“


Wird von der Stellung des Pferdes gesprochen, dann ist damit also die seitliche Beugung im Genick, genauer gesagt im Atlas- und Axisgelenk gemeint. Dort findet die feine Rotation statt, die es dem Pferd ermöglicht, nach der Richtung des etwas kürzeren Zügels zu schauen.

Bei einem entsprechend vorgeschulten Pferd kann das erreicht werden, wenn mit dem Zügel auf das jeweilige Mundstück auf einer Maulseite etwas mehr, auf der anderen etwas weniger Druckkontakt angeboten wird. Das Pferd reagiert korrekt, wenn es mit beiden Ohren dabei gleich hoch bleibt, sich also nicht „verwirft“. Auch darf es dabei nicht mit der Nasenlinie hinter die Senkrechte kommen, da dann die Genickbeugung zur Seite blockiert wird.


Bei der Stellung schaut das Pferd nur ganz leicht in die gewünschte Richtung, ohne dass es dabei den ganzen Hals und den Rest des Körpers biegt. Als Reiter sieht man beim gestellten Pferd maximal den inneren Augenrand und den Nüsternrand.


Verstehen und Lernen


Damit ein Pferd diese feine Genicktätigkeit überhaupt ausführen kann, muss es zunächst ein grundlegendes Verständnis für die Berührung des Gebisses im Maul und die damit verbundene Signalwirkung erlernen. Werden die Zügelhilfen systematisch und gefühlvoll gegeben, so werden sie auf Zunge, Lefzen und Maulwinkel differenziert wirken und entsprechend wahrgenommen werden. Dadurch lernt es, darauf sowohl im Kiefergelenk wie im Genick entspannt zu reagieren. Erst wenn diese Kommunikation in der jeweiligen Gangart grundsätzlich verstanden wurde, kann die eigentliche Stellungsarbeit nur im Genick unabhängig vom restlichen Körper zwanglos in Losgelassenheit gelingen.


Die „gleichmäßige“ Biegung


Während sich die Stellung also primär auf das die Muskellockerung und Dehnung im Genick bezieht, umfasst das Reiten in „Biegung“ den ganzen Pferdekörper. Die Biegung beginnt im Genick und soll sich dann bis zum Schweif fortsetzen.


Pferd auf dem groißen Zirkel. Foto: RK
Das Pferd biegt in der Halsbasis zu stark ab.

Würde man ein Pferd von oben betrachten, dann würde man sehen, dass der gesamte Körper dabei längs gebogen ist. Die Muskeln der jeweiligen „Außenseite“ sollten dabei „gleichmäßig“ vom Genick bis zur Kruppe gedehnt werden. Es wird auch häufig von der „gleichmäßigen“ Biegung der Wirbelsäule gesprochen. In Text und Bildern wird dieser Anschein zwar oft hergestellt, die Realität lässt jedoch nur eine mehr oder weniger gleichmäßige Biegung zu.


Der Grund dafür ist der Körperbau eines Pferdes.

Während der Hals und auch der Schweif sehr beweglich sind, sind der Rücken und der Brustkorb eher steif.

Das macht es Reiter und Pferd schwer bis manchmal unmöglich, eine korrekte, das heißt eine leichte und exakte gleichmäßige Biegung zu erreichen.

Beim Reiten in seitlicher Biegung ist die Stellung im Genick also mit einbezogen, der Hals sollte dann aber nicht mehr als der ganze Körper gebogen sein. Das Pferd soll in den Ganaschen nachgeben und eine angemessene Dehnungsbereitschaft der gesamten Muskelkette auf seiner zur Biegung äußeren Körperseite entwickeln. Dieser Dehnungsprozess kann sich nur über eine längere und regelmäßige Trainingsarbeit nach und nach einstellen.

Dem Reiter vermittelt sich dann nach und nach der Eindruck, dass das Pferd sich „um den inneren Schenkel“ biegt.


Wichtig: Bei einer gleichmäßigen, korrekten Biegung darf das Pferd nicht in der Halsbasis, also im Übergang zur Schulter, abknicken.


Hilfen sollen Hilfestellung anbieten

Deshalb sollte mit dem zur Biegung äußeren Zügel stets das Maß der seitlichen Biegung entsprechend begrenzt, die Dehnung aber ermöglicht werden. Die Schwierigkeit für Reiter oder Reiterinnen liegt in diesen Übungen vor allem in den entsprechend fein und genau aufeinander abgestimmten Schenkel- und Zügelhilfen, immer verbunden mit korrekter Balancehaltung und einem geschmeidigen Sitz.

Da die meisten Pferde von Natur aus eine steifere Seite haben, muss die Hilfengebung und die Trainingsplanung auf jedes Pferd entsprechend individuell abgestimmt werden, um nach und nach über einen entsprechend langen Trainingszeitraum eine Synchronisierung der Muskulatur zu bewirken. Keinesfalls darf Biegung erzwungen werden, sie kann sich nur nach und nach verbessern und entwickeln.


Warum Biegung


Das Reiten in Stellung kann gut auf geraden Linien, z. B. auf dem Hufschlag geübt werden, die Übung ist auch nicht anstrengend, wenn sie einmal verstanden wurde.

Für das Reiten in Stellung und Biegung empfiehlt es sich, auf gebogenen Linien zu beginnen.


Ein Pferd in Stellung und Biegung zu reiten ist für Pferd und Reiter sehr anspruchsvoll. Korrekt erarbeitet dient es der sogenannten „Geraderichtung“. Mit diesem Fachbegriff ist die gymnastische Trainingsarbeit gemeint, mit der das Pferd lernen soll, seine Muskeltätigkeit auf beiden Körperseiten zu koordinieren, zu synchronisieren und symmetrisch zu entwickeln.


Dieser Muskelum- und -aufbau kann nur über einen langen Trainingszeitraum mit systematischer Trainingstätigkeit erreicht werden.


Keine Biegung ohne Spurtreue



Um mit dem Reiten in Stellung und Biegung den gewünschten gymnastischen Effekt zu erreichen, gibt der Reiter oder die Reiterin dem Pferd die Linienführung vor, auf der es sich bewegen soll (Bahnfiguren). Auf geraden und gebogenen Linien muss es im Hilfenrahmen so angeleitet werden, dass es dabei stets mit den Hinterbeinen in die Spur der gleichseitigen Vorderbeine fußt. Diese Spurtreue auf gebogenen Linien ist nur zu erreichen, wenn das losgelassen und willig im Hilfenrahmen gehende Pferd sich mit korrekter Längsbiegung bewegt. Die Spurtreue ergibt sich durch die Biegung, die Biegung ergibt sich durch die Spurtreue.


Als Ergebnis wird es mit dem jeweiligen inneren Hinterbein vermehrt unter die Körperlast treten, die Gelenke beugen und beginnen, sich auf einer Körperseite mit entsprechender Muskeltätigkeit vermehrt zu versammeln. Je enger die Bogenlinie wird, auf der es sich bewegt, desto stärker wird es sich muskulär versammeln müssen.

Durch die Wahl und Anordnung entsprechend gebogener Linien kann der Schwierigkeitsgrad gesteigert oder auch reduziert werden. Nach kurzen Phasen einseitiger vermehrter Muskelbelastung muss stets eine Phase der Entlastung folgen, um eine Überforderung zu vermeiden.


Learning by doing

Stellung und Biegung korrekt erarbeiten - dies zieht sich über viele Jahre der Ausbildung. Foto: RK
Gefühl entwickeln: stellt sich dein Pferd in Atlas und Axis oder "stellt" es sich vermehrt über die Halsbasis seitlich ab? Wo ist es in der Muskulatur zu weich oder blcokiert? Dies zu erfühlen ist deine Zielaufgabe.

Auf großen Zirkellinien lässt sich das Reiten in Stellung und Biegung sehr gut üben und die Fortschritte entsprechend überprüfen, ohne das Pferd zu überfordern.

Anfänglich werden Spurtreue und/oder Biegung nur kurzzeitig für wenige Schritte gelingen, wieder verloren gehen und wiederhergestellt werden, das ist ganz normal. Halte deine Übungsreprisen entsprechend kurz und wiederhole sie häufiger. Bleibe mit deinen Zügel- und Schenkelhilfen fein und so präzise wie möglich. In den ersten Trainingseinheiten mach nur wenige Sequenzen und gehe zu einem anderen Übungsprogramm über. Weniger ist mehr.

Dein Pferd wird dir durch seine Reaktionen zeigen, ob es die Bedeutung deiner Hilfen grundsätzlich versteht. Was es verstanden hat, kann es aber noch nicht korrekt in Haltung und Bewegung umzusetzen. Dazu ist es dann auf dein Feingefühl und gutes Timing angewiesen. Gelingen die ersten Schritte, so muss sofort zur Belohnung und zur Motivation nachgegeben werden, bevor der nächste Versuch erfolgt.

Deine Hilfen dürfen keinesfalls fordern, vielmehr solltest du ihm durch deine gefühlvollen Einwirkungen Hilfestellung, Führung und Unterstützung anbieten.

Es kommt auf die Linienführung an


Zunächst übst du im Schritt und legst dir eine gleichmäßige Zirkellinie an, Pylone können dir dabei als Orientierungshilfe dienen.


Anfänglich beschränkst du dich darauf, dein Pferd auf der gedachten Linie nur zu lenken. Es wird euch noch nicht gelingen, der Zirkellinie immer korrekt zu folgen. Es werden sich Schlenker oder Schlangenlinien einschleichen. Kehre immer wieder ruhig auf die Linie zurück. Präzisiere deinen „Hilfenrahmen“ durch entsprechend abgestimmte Zügel- und Schenkeleinwirkungen. Denke noch nicht an Stellung und Biegung, das macht erst Sinn, wenn die „Lenkung“ funktioniert.

Nach einigen Trainingseinheiten wird es dir und deinem Pferd immer besser gelingen, der Zirkellinie ohne starke Abweichungen zu folgen.


Das Zusammenspiel der Hilfen


Jetzt ist es an der Zeit, mit den ersten Übungen in Stellung zu beginnen.

Dazu wird der innere Zügel ein wenig verkürzt, der äußere etwas länger geführt. Bei balanciertem Sitz und passender Schenkelführung wird dein Pferd sich im Genick entspannen, die äußeren Muskelgruppen im Genick etwas loslassen und dehnen und dir dadurch am inneren Zügel das Gefühl der Nachgiebigkeit vermitteln. Gelingt das auf beiden Seiten im Schritt, kann es vorsichtig für kurze Reprisen im Trab geübt werden.

Achte darauf, dass dein Pferd die einstellende Zügelhilfe nicht mit einer nach innen lenkenden verwechselt und seine Spur grundsätzlich hält. Deine Schenkelhilfen sind dabei besonders wichtig.

Gelingt das Reiten in Stellung auf beiden Seiten, dann ist es an der Zeit, Stellung und Biegung miteinander zu verbinden. Zunächst beginnst du wieder im Schritt in kurzen Reprisen. Die Abstimmung deiner Zügelhilfen gelingt ja schon, nun tritt die Abstimmung und Präzisierung deiner Schenkelhilfen noch mehr in den Vordergrund, der verwahrende – begrenzende – etwas weiter hinten platzierte äußere Schenkel ist dabei ebenso wichtig wie der in vorderer Lage platzierte innere. In diesem Hilfenrahmen achtest du darauf, der Zirkellinie möglichst genau zu folgen und die Dehnung der äußeren Körperseite zu fördern. Hier kommt dem impulsgebenden inneren Schenkel, der dem äußeren Zügel zuarbeitet, eine wichtige Bedeutung zu.


Regelmäßigkeit und Wiederholung in Maßen


Es wird einige Übung notwendig werden, bis die ersten Schritte in Biegung gelingen. Widerstehe der Versuchung, durch mehr Schenkeldruck oder gar Sporeneinsatz dein Pferd in die gewünschte Biegung zwingen zu wollen – sie kann sich nur nach und nach ergeben.

Ein verspanntes Pferd kann sich nicht korrekt biegen. Bleibe gefühlvoll und präzise und belohne jede Mitarbeit deines Pferdes mit nachgiebigen Hilfen. Auch sind kurze Reprisen anfänglich besonders wichtig.


Hat dein Pferd deine Hilfengebung erst einmal verstanden und merkt, dass du ihm Hilfestellung gibst, so entspannt es sich, wird losgelassener und wird sich entsprechend an deine Hilfen anpassen.


Gelingt die Lektion immer besser im Schritt auch schon für einige Zirkel, so ist es an der Zeit, mit den Trabübungen zu beginnen.


Ein echter positiver gymnastischer Effekt stellt sich nur ein, wenn dir die Übungen in Losgelassenheit gelingen. Werden sie erzwungen, so führt das zu Verspannungen und Versteifungen in der Muskulatur deines Pferdes und entsprechende Widerstände sind dann unvermeidlich.


Den Schwierigkeitsgrad steigern


Eine weiterführende Form der Übungen ist dann das Reiten in Außenstellung und -biegung auf einem. Damit ist ein noch besserer gymnastischer Effekt verbunden. Beginne mit dieser Übungsvariante, indem du einen Zirkel in Stellung und Biegung reitest. Dann wechselst du am X-Punkt auf den anderen Zirkel, erhältst dabei aber die ursprüngliche Biegung. In einer schenkelweichenden Hilfengebung umrundest du den Zirkel und kehrst auf den ursprünglichen, immer noch in gleicher Biegung zurück.


Anfänglich wird es mit der Spurtreue noch nicht so gut klappen. Mit fortschreitender Übung sollte es dann aber möglich sein, einen kompletten Zirkel in Konterbiegung korrekt zu reiten.

Wenn du selbst in der Lage bist, die korrekten Hilfen dazu anzubieten, wird dein Pferd sich Mühe geben und auch diese Schwierigkeit bald leicht und locker bewältigen.

Die Bereitschaft, im Hilfenrahmen diese Übung willig und korrekt auszuführen, fördert die Körperkontrolle und Durchlässigkeit deines Pferdes wesentlich. Auch kannst du damit die Rittigkeit deines Pferdes deutlich verbessern und wichtige Grundlagen für weiterführende Lektionen und die Arbeit an den Seitengängen sowie den Galoppwechseln legen.

 

 


Uelzener





© Text: Peter Kreinberg; Fotos© RK / The Gentle Touch GmbH, KI-Unterstützt

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