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Schwierigkeiten in der Quadratvolte meistern – Tipp von Peter Kreinberg

  • Autorenbild: TGT® Redaktion
    TGT® Redaktion
  • vor 2 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Ziel: Mental entspannt – körperlich gelöst!




🍀 Uelzener-Tipp von Peter Kreinberg


Peter Kreinberg

Wir alle streben eine harmonische Verständigung mit unserem Pferd an. Damit das möglich wird, müssen wir lernen, ihm mit unseren Hilfen zu vermitteln, wo und wie es sich mit uns und unter uns bewegen soll. In den schwungvollen und energetischeren Gangarten Trab und Galopp entstehen dabei oft Missverständnisse, die Unsicherheitsgefühle, Stress und Unzufriedenheit sowohl beim Pferd als auch bei seiner Reiterin oder seinem Reiter auslösen können.



Um das zu vermeiden und dennoch das reiterliche Feingefühl und Körperbewusstsein für eine feine Verständigung mit dem Pferd zu schulen, haben sich ruhige Schrittübungen bewährt. Mit ihrer Hilfe kann das gefühlvolle Zusammenwirken der Hilfenbereiche Sitz und Haltung sowie Schenkel- und Zügeleinwirkungen zunächst einmal grundsätzlich in aller Ruhe eingeübt werden.


Uelzener

Eine solche ruhige Übungsreihe, die Wendungen um die Vorhand in der „Quadratvolte“, ist dafür hervorragend geeignet. Die Übung in ihrer flüssigen Form macht zwar das Zusammenwirken aller Hilfen notwendig, sie können aber auch im Bedarfsfall sehr bewusst noch einzeln präzisiert werden.


Mit dieser Übung hilft Peter Kreinberg gern Schülerinnen und Schülern mit ihren Pferden, die üblichen Missverständnisse und „Fehler“ in der Hilfengebung zu erkennen und dann in Ruhe nach und nach zu eliminieren. Ist die Theorie der Übung einmal verstanden, so kann die Übung auch ohne direkte Anleitung daheim selbstständig sehr erfolgreich genutzt werden.




Drei Typische Fehler


Zu Beginn treten häufig drei typische Herausforderungen beziehungsweise Verständigungsfehler auf, die entweder auf das ungenaue Timing oder nicht ganz präzise Hilfen des Reiters oder auf Angewohnheiten des Pferdes zurückzuführen sind.


  1. Dem Pferd fehlt die innere Ruhe, die Bereitschaft zu warten! Es zeigt sich ungeduldig oder nimmt stets etwas vorweg. Es mag nicht verharren, nicht ruhig stehen oder sich auf die Hilfen konzentrieren.

  2. Es drängt, geht gegen die Zäumung oder die Schenkelhilfen oder durch die begrenzenden Hilfen vorwärts oder seitwärts.

  3. Es entzieht sich durch Rückwärtsgehen oder ihm fehlt die ruhige, kontrollierte Vorwärtstendenz.

Wiederholen sich solche Verhaltensweisen öfter, so zeigen sie Defizite in der Grundausbildung bei beiden auf. Die Übung wird deshalb von Peter Kreinberg als Korrektur- oder Grundlagenarbeit genutzt.


Durch die ruhige, schrittweise Ausführung werden das gegenseitige Verständnis und das Vertrauen zueinander verbessert und die körperliche Losgelassenheit gefördert. Sind die Grundlagen wieder gefestigt, kann in dynamischer Arbeit wieder mit anspruchsvolleren Lektionen in allen Gangarten weitergemacht werden.


 

Gemeinsames Bewusstsein für „Wo, Wann und Wie“


Die Viertel-Wendungen um die Vorhand werden jeweils an den vier Pylonen erarbeitet. Diese dienen als optische Orientierung für Pferd und Reiter. Für das Pferd wird sehr schnell klar, dass es sinnvoll ist, jeweils an einer Pylone sehr aufmerksam auf die reiterlichen Einwirkungen zu achten.


Die Reiterin oder der Reiter wiederum muss sein Handeln in Vorbereitung, Ausführung und Beendigung genau an jeder Pylone neu abstimmen und erkennt sofort, ob die Übung genau oder ungenau ausgeführt wurde. Beide entwickeln ein gemeinsames Interesse, aus ihren „Fehlern“ zu lernen, um beim nächsten Hütchen besser zusammenzuarbeiten.

Gelingt es der Reiterin oder dem Reiter, dieses „Wir-Gefühl“ durch gefühlvoll „helfende“ Einwirkungen zu fördern, wird das Pferd immer motivierter und aufmerksamer mitarbeiten.

 

Peter Kreinberg zeigt auf: die Lernziele


Reiterin oder Reiter kann in aller Ruhe üben, koordiniert und angemessen Sitz-, Zügel- und Schenkelhilfen in diagonaler, begrenzender und aktivierender Wechselwirkung zu geben. Man lernt, je nach Verhalten in der individuellen Situation auf das Pferd einzugehen und einzuwirken. Die Reaktionen des Pferdes zeigen, wie verständlich und effektiv die Hilfen wirklich waren und ob sie geändert eingesetzt werden sollten oder weiter in gleicher Weise.

Das Pferd lernt, in ungewohnter Weise die Vor- und Hinterhand zunächst entkoppelt zu bewegen, mit den Hinterbeinen diagonale, kreuzende Tritte auszuführen und diese dann später zu koordinieren. Es lernt, sich auf seinen Reiter zu konzentrieren, abzuwarten, ihm und seiner Hilfengebung zu vertrauen und auf ausführende und verwahrende Hilfen willig zu reagieren.


Gelingen die Viertelwendungen um die Vorhand in der Verständigung dann flüssig und regelmäßig, so haben sie beim Pferd als Lektion auch einen zusätzlichen gymnastischen Effekt. Es wird in der Muskulatur ganz ohne Kraftanstrengung losgelassener und elastischer – die Übungen haben sozusagen einen „Yoga-Effekt“. Besonders auch im Winter können sie zur Förderung der Gesunderhaltung in ein ruhiges Bewegungsprogramm miteinbezogen werden.


Quadratvolte: die praktische Ausführung


Die Übung wird zunächst „Schritt für Schritt“ ausgeführt: also Schritt – Pause – Schritt – Pause. Das bringt immer wieder Ruhe in die Sache. Klappt das solide, kann die Übung in einer dynamischeren Abfolge im Schritt flüssig ausgeführt werden.


Wenn das Pferd die einzelnen Schritte in Bezug auf Ort und Linie nicht korrekt ausführt, so ist das meistens eine Reaktion auf die reiterliche Hilfengebung. Unbewusst sorgen wir mit Waden, Schenkeln, Sitz oder Händen oft dafür, dass das Pferd über die Schulter wegdrängt, beim „ruhig Stehen üben“ an den Pylonen rückwärts tritt, den Bewegungsablauf vorwegnimmt oder sich gegen die Hilfen versteift.


Manchmal will es auch das „Richtige“ tun, ist aber noch unpräzise – das sollte dann immer zunächst als positive Mitarbeitsbereitschaft vom Reiter anerkannt werden – bei bewusstem und aktivem Widerstand allerdings sollte durch differenzierte Einwirkung die Aufmerksamkeit und die Kooperationsbereitschaft wieder gefördert werden.


Ruhe, feine Verständigung und ein sinnvoll wiederholender Ablauf sind das A und O in der Übungsreihe. Vor allem, wenn das Pferd noch unerfahren unter dem Reiter ist, die Kontakte und Einwirkungen am Körper noch nicht in jeder Situation als Hilfen versteht oder Balance- oder Koordinationsprobleme hat. Der hier vierjährige Quarter-Horse-Wallach wurde solide angeritten, ist aber noch unerfahren in den Übungen, die eine wechselwirkende einseitige, beidseitige und diagonale Hilfengebung beinhalten.

 

Peter Kreinberg: Wendung um die Vorhand


Verbesserungstipps


  1. Vorwegnehmen (Antizipieren)


Pferde sind Gewohnheitswesen, sie lernen durch Wiederholung. Haben sie eine Idee davon entwickelt, wo sie wann etwas tun sollen, so bieten sie das schnell von sich aus an. Sie nehmen vorweg – sie antizipieren.


Hier sind wir als Ausbilder im Zwiespalt: Das Pferd hat etwas verstanden, das ist gut so. Aber es will nun immer selbst entscheiden, das ist auf Dauer nicht gut. Wollen wir es nicht verwirren, so müssen wir ihm nun einerseits vermitteln, dass es etwas richtig verstanden hat. Andererseits muss es neu lernen, dass es mit der Ausführung aber warten soll, bis wir die Erlaubnis erteilen. Gelingt uns das, so haben wir ihm das Prinzip des „willigen Gehorsams“ vermittelt.


Bei einem nervösen, unruhigen Pferd oder einem, das noch nicht geduldig genug ist, sollte man das Pferd nicht zu sehr in den „Gehorsams-Rahmen“ nehmen und es an jeder Pylone anhalten oder warten lassen. Man reitet zunächst nur von Pylone zu Pylone, hält bei jeder zweiten oder dritten Pylone kurz an und reitet dann wieder weiter. So wird über viele Trainingseinheiten verteilt die Geduld des Pferdes entwickelt, bis es ruhig abwarten kann. Die Initiative zum Anreiten sollte immer beim Reiter liegen. Die Wendung wird erst eingeleitet, wenn im Stand die Schenkellage verändert werden kann, ohne dass das Pferd dabei bereits reagiert. Die Vorübung „ruhig stehen“ ist also bei sehr aktiven Pferden vorrangig zu erarbeiten.


Besonders wichtig: Als Reiter sollte man sich vergewissern, dass man nicht durch zu viel Körperspannung, zu starke Einwirkungen mit den Schenkeln oder durch Balancestörungen die Ursache für das Vorwärtsdrängen oder die Unruhe ist.


Das seitwärts Ausweichen


  1. Pferd drängt, geht gegen Zäumung-/Schenkelhilfen oder durch die begrenzenden Hilfen vorwärts oder seitwärts.


Wendungen um die Vorhand sind für ungeübte Pferde ebenso wie für Reiter koordinativ anspruchsvoll. Vom Pferd wird bei einer korrekten Ausführung erwartet, dass es mit den Vorderbeinen am Ort bleibt, mit dem inneren sogar genau am Fleck, während es mit den Hinterbeinen gleichzeitig seitwärtstreten soll.


Vom Reitenden wird erwartet, dass er oder sie dem Pferd dafür präzise Hilfestellung mittels Körperhaltung, Zügel- und Schenkeleinwirkungen – den Hilfen also – anbietet. Missverständnisse kommen beim Üben vor. Oft sucht sich das Pferd dann Entlastung, indem es seitwärts von der Spur abweichen möchte.


Hier kommt es besonders darauf an, im Timing, in der Platzierung und der Dosierung der Berührungshilfen präzise zu werden. Ausführungs-, Begleit- und Beendigungssignale bzw. Hilfen müssen für das Pferd deutlich unterscheidbar vermittelt werden. Bei Unsicherheiten oder Missverständnissen bietet diese Basisübung an, immer kurz innezuhalten, zu verharren, zu präzisieren und neu anzuleiten. Wenn es sie dann versteht, wird es sie nach und nach auch widerstandslos akzeptieren lernen.

 

Ungewünschtes Rückwärtstreten

3. Pferd geht ungewollt rückwärts, ruhige, kontrollierte Vorwärts-Tendenz fehlt


Hier können zwei Hauptursachen vorliegen: Das sehr aktive oder unruhige Pferd versucht, sich nach hinten zu entziehen, wenn vorwärts und seitwärts begrenzt werden. In diesem Fall müssen die vorwärtssendenden Hilfen zunächst generell erarbeitet werden. In der Übung sollte man dann immer sofort vorwärts zur nächsten oder übernächsten Pylone reiten und ansonsten wie bei der Warte-Übung verfahren.


Das träge Pferd wird das Rückwärts anbieten, weil ihm das leichter erscheint, als die Seitwärts-Tritte mit den Hinterbeinen auszuführen. Ein differenzierter Schenkeleinsatz, eventuell zeitweilig unterstützt mit leichtem Touchieren mit einer Dressurgerte, kann hier schon Abhilfe schaffen.


Wichtig: Achte darauf, dass du nicht unbewusst oder unbeabsichtigt mit der Zäumung (gebisslos oder Gebiss) oder mit deiner Körperhaltung oder -spannung rückwärts wirkst. Vor allem ein sensibles oder antizipierendes Pferd beantwortet dies mit einem Rückwärtsschritt.

 


Wir hoffen, dass dir diese Hinweise zur Quadratvolte bei dieser zu Beginn durchaus anspruchsvollen Übungsreihe weiterhelfen.


Einmal erarbeitet, wird diese Grundlagenarbeit nicht nur beim allgemeinen Reiten in der Bahn, sondern auch im Gelände viele gute Dienste leisten und vor allem eine bessere Verbindung zu deinem Pferd ermöglichen.

 

Auf diese Weise wird nicht nur die Verständigung besser, sondern auch der Teamgeist und das freudig motivierte Miteinander.

 

Uelzener





© Text: Peter Kreinberg; Fotos: RK / The Gentle Touch GmbH

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