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Was, wenn ein Pferd mich fordert?

  • Autorenbild: TGT® Redaktion
    TGT® Redaktion
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit

TGT® Erfahrungsbericht von Levke Hansen: Shire-Mix "Willi"





 🌟 Blog #3 TGT® Trainer berichten von ihren Erfahrungen 


"Ich möchte auch ein wenig aus meinem Trainer-Alltag erzählen. Diese Begegnung ist

schon ein wenig länger her, ist aber mit prägend für meinen Stil im Umgang mit Pferden gewesen und zeigt, wie gut sich die TGT® Methode auch für schwierigere Fälle eignet.



Ich wurde von einer Besitzerin als TGT® Trainerin für Bodenarbeit gebucht, die mit ihrem Pferd nicht mehr weiter wusste. Sie selbst war Mitte 20 und ihr Pferd war „Willi“. Willi war ein  8-jähriger Tinker. Ein großer Tinker. Vielleicht auch ein Tinker-Shire-Mix, das wusste keiner so genau. Er wurde etwa 6 Jahre lang auf einer Koppel "vergessen" und lebte dort mehr oder weniger gut versorgt als Hengst vor sich hin.

 

Aus dieser Situation kaufte ihn seine jetzige Besitzerin frei, er wurde kastriert und sollte nun Reitpferd werden. Nun war „Willi“ nicht besonders klein, sondern fast 170 cm groß. Er hatte ein selbstbestimmtes Leben geführt und war daher auch sicher, dass er sich selbst um alles kümmern konnte und sich so schnell nichts erzählen ließ. Er konnte instinktgesteuert und frei leben, was auch seine Intelligenz und Persönlichkeit stark ausgeprägt hatte, ob er auch gedeckt hatte wusste ebenfalls niemand.

 

Als ich anfing, mit Willi und seiner Besitzerin zu arbeiten war vorher schon mithilfe eines anderen Trainers versucht worden, Willi zu dominieren und zum Gehorsam zu zwingen.

Es war in Richtung "Hardcore-Horsemanship" abgedriftet und Willi war zunehmend aggressiv bei der Bodenarbeit gegenüber seiner Besitzerin geworden. Es reichte schon, ihn am Putzplatz das Knotenhalfter anzulegen, schon änderte sich seine Mimik und seine Körperspannung. Das auf Unterwerfung abzielende „Training“ mit ständigen Wiederholungen und Korrekturen hatte keine Verständigung oder Kommunikation erreicht, sondern ihn dazu gebracht, die Gegenwart von Menschen auf einem Reitplatz oder einem Roundpen abzulehnen. Als selbstbewusstes Pferd nutzte er für seinen Protest kein Fluchtverhalten, sondern wurde offensiv.

 

Er wurde zunehmend deutlicher in seinem „Nein“: Er bedrängte seine Besitzerin beim Führen mit der Schulter. Versuchte man ihn auf einem Kreisbogen an der Longe zu arbeiten, beschnleunigte er mit erhobenem Kopf in die Mitte und rempelte den Menschen um- ein bisschen Seilchenschwingen war ihm zu dem Zeitpunkt bereits egal, das stachelte ihn nur noch mehr an. Er drohte mit angelegten Ohren Schweifschlagen und Kopfschlenkern, er stampfte mit den Vorderbeinen und fing an zu steigen, er schlug am Leitseil auf einem Kreisbogen gezielt aus, wenn man die Hinterhand zu stark mit dem Blick fixierte oder den Arm hob. Dass es noch nicht zu einem Unfall gekommen war, war reine Glückssache, von einem massiven Angriff war er innerlich nicht mehr weit entfernt.


Ich habe Willi gezeigt, dass mein Ziel Kommunikation ist, nicht Unterwerfung. Durch die kleinschrittigen Übungen, die seine Balance und Bewegungsmotorik "ansprach", konnte ich viel Loben und blieb immer unterhalb seiner Frustrationsgrenze. Die Hilfengebung war klar strukturiert und abgestuft, ich ließ ihn spüren, dass ich seine Intelligenz und ihn als Persönlichkeit respektiere.


Oft wird ein großes Pferd gröber behandelt, damit tut man ihnen Unrecht. Die Reaktivität und Beweglichkeit ist nicht die eines Vollblutes oder leichteren Ponys. Es half ihm, ihm zu zeigen, dass er über die Hilfen nachdenken durfte. Dass ich von ihm nicht die agilen Reaktionen eines Lusitano erwarte. Für ein Missverständnis gab es nun keine massive, grobe Korrektur mehr, sondern Pausen. Den Druck rausnehmen, noch kleinere Teilschritte machen und ihn nicht mit endlosen Wiederholungen ewig gleicher Unterordnungs-Übungen gängeln.


TGT® Trainerin Schleswig-Holstein

Er wurde innerhalb weniger Einheiten zunehmend aufgeschlossener und zeigte freudigeres Interesse an der Mitarbeit. Nach einigen Wochen konnte man beobachten, dass Willi Stangenarbeit ganz toll fand.  Er entdeckte, dass ihm die Hilfen des Menschen zu einer besseren Balance verhelfen und keine Störungen sind. Am wichtigsten für mich war aber, dass er gelernt hat, sich auch wieder freundlich maßregeln zu lassen. Er durfte umgekehrt zeigen, wenn ihn was nervte oder er müde wurde, er dafür aber nicht angreifen muss.

 

Auf die innere Einstellung des Menschen war er extrem sensibel - ärgerte man sich auch nur einmal über ein Missverständnis fiel er schnell zurück in angewöhntes Abwehrverhalten - schwächer ausgeprägt, aber im Gesichtsausdruck und Körperspannung deutlich. Nach einigen Monaten war es möglich, ihn zu ermahnen und auch mal etwas deutlich von ihm zu fordern, er hatte ein Verständnis für Übungen gewonnen, die verlässliche TGT® Struktur der Hilfengebung gab ihm Sicherheit. 

 

Dauerhaftes "Dominanztraining" war für ihn pure Provokation und unverständlich. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Willi dann doch kein Reitpferd werden, er lernte später jedoch in allen Gangarten an der Doppellonge zu gehen.


Die Arbeit mit so einem großen, starken und gereiztem Pferd hat mir als Trainer damals noch mal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, seinem Bauchgefühl treu zu bleiben und uf die Pferde auch als Charakter einzugehen.


💞 Pferde möchten klaren, fairen verständlichen Umgang und ich möchte mich nicht gewaltorientiert diesen wirklich großartigen Tieren umgehen.


Technik und Timing sind für einen sicheren Umgang viel wichtiger und ein strukturiertes Trainingskonzept mit genügend Flexibiität ist das A und O.


Es ist wichtig, im Training die körperlichen und seelischen Fähigkeiten der Pferde zu berücksichtigen und mit Gefühl und Humor zu arbeiten."






Fotos© RK/Beitrag KI unterstützt


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